06138-902480

Diesel-Hysterie

"Manchmal hat man den Eindruck, dass Medien und Politik immer wieder ein Aufregerthema brauchen. Zur Zeit ist das der Diesel." Walter Schiel äußert sich zum Dieselskandal

Walter Schiel
Geschäftsführender Gesellschafter der S&S Internet Systeme GmbH
Betreiberin des bekannten ELN.de Fahrzeughandels-Systems.


Manchmal hat man den Eindruck, dass Medien und Politik immer wieder ein Aufregerthema brauchen. Zur Zeit ist das der Diesel. Er bietet all jenen Fanatikern, die das Auto am liebsten ganz abschaffen möchten, willkommene Angriffsflächen. Die Polemiken aus den verschiedenen Lagern verunsichern die Autofahrer. Was soll man Ihnen sagen? Was können Sie als Autohaus des Vertrauens Ihren Kunden raten?

Zunächst einmal: Besinnung auf die sachlichen Grundlagen. Nach wie vor ist der Diesel die mit Abstand effizienteste Verbrennungsmaschine. Das heißt: Aus einem Liter Kraftstoff holt der Diesel die meiste Leistung heraus. Deshalb braucht er auch weniger Sprit als vergleichbare Benziner. Zudem bläst der Diesel rund 20% weniger CO2 aus dem Auspuff als ein Benziner. Wenn alle Autos Benziner wären, würde die Politik ihre selbstgesteckten CO2-Ziel weit verfehlen.

Vor Jahren war der Kraftstoffverbrauch die entscheidende Größe. Die Motoren wurden danach optimiert. Der Diesel war im Vorteil.

Dann ging es um die Rußpartikel. Der Diesel bekam entsprechende Filter und das Thema war erledigt.

Dann geriet der CO2-Ausstoß in den Vordergrund. Nun wurden die Motoren auf CO2-Ersparnis optimiert. Der Spritverbrauch stieg dadurch etwas an, das interessierte jetzt aber nicht mehr.

Nun hat man sich die Nox-Werte vorgeknöpft. Diese Stickoxide sind – wie alle anderen Abgase – seit Jahren im Sinkflug. Noch nie waren die Abgase sauberer als heute, bei Diesel und Benzinern. Weil aber auch die Grenzwerte immer weiter gesenkt werden, gleicht das dem Wettlauf zwischen Hase und Igel. Der Igel ist immer schon da, egal wie schnell der Hase läuft. So entsteht der Eindruck, die modernen Motoren seien Dreckschleudern und würden die Städte verpesten. Sachlich und nachweisbar ist das Gegenteil richtig – jedoch ist das Verpestungs-Image ideologisch gewollt.

Drastisch und faktenreich hat nun auch die BILD-Zeitung dazu Stellung genommen (25.08.2017): Hier klicken

Seit 1990 haben sich die Stickstoff-oxid-Werte mehr als halbiert. Die Abgase aus dem Verkehr (blau) sind sogar um ca. zwei Drittel zurückgegangen. Die Luft in unseren Städten war noch nie so gut.
Quelle: Umwelt-Bundesamt

Statt auf die unbestreitbaren Erfolge, aber auch auf die inzwischen erreichten Grenzen der Physik hinzuweisen, haben die Autohersteller - insbesondere VW - auf Schummelei bei der Abgasmessung gesetzt. Wie falsch diese Strategie war, erleben wir jetzt. Nun sollen es die vielfältigsten Umweltprämien richten.

Derzeit kursieren vereinzelte Listen, die zeigen, welche Hersteller auf welche Marken welche Umweltprämien versprechen. Wir haben die Angaben nachgeprüft. Ergebnis: Widersprüchliche und unterschiedliche Aussagen, wohin man schaut.

Zum Schluss noch einige Gedanken zur Elektromobilität:

Alle rufen nach Elektroautos (und auch nach Wärmepumpen). Beide Systeme werden gehätschelt und brauchen viel Strom. Gleichzeitig werden nach und nach die Atomkraftwerke abgeschaltet. Die vier Übertragungsnetzbetreiber erwarten in den Berechnungen für den Netzentwicklungsplan, dass die Stromproduktion im Süden (Bayern und Baden Württemberg) nach der Abschaltung des letzten Atomkraftwerks 2022 deutlich unter dem Bedarf liegen wird. Zwischen einem Viertel bis zur Hälfte des Strombedarfs muss künftig wohl importiert werden. Dies wird vermutlich Atomstrom aus dem Ausland sein, denn auch die heimischen Braunkohlekraftwerke werden nun angegriffen und sollen nach dem Willen der Ökos vorzeitig vom Netz gehen. Bleiben die stark schwankenden Strommengen aus Solar- und Windenergie. Diese erfordern schon seit Beginn der Energiewende einen kraftvollen und zügigen Ausbau der Netzleitungen. Das geschieht aber nicht. Bayern z.B. verweigert rundweg den Bau neuer Überland-Stromtrassen.

Was bedeutet das für den Autohandel? Neben all den bekannten Unzulänglichkeiten der Stromer sollte man darauf hinweisen, dass die Sicherheit der allgemeine Stromversorgung bei massivem Ansteigen der E-Autos immer fragiler wird. Dazu kommt das Entsorgungsproblem für Millionen von Lithium-Akkus, die nach einer Laufzeit von geschätzten 50.000 km anfallen. Mir ist nicht bekannt, wie man sich auf die Lösung dieses zwangsläufigen Problems vorbereitet.

Eine Alternative böte die Brennstoffzelle. Hier wird der gut speicher- und transportierbare Wasserstoff im Auto in Strom umgewandelt. Als „Abgase“ gibt es nur einige Tröpfchen Wasser. Alle großen Hersteller beschäftigen sich mit dieser sauberen Technik. Laut Aussagen sei sie auch serienreif. Es fehlen nur genügend Wasserstoff-Tankstellen. Ob das auch die Politik weiß?

Walter Schiel
Geschäftsführender Gesellschafter der S&S Internet Systeme GmbH
Betreiberin des bekannten ELN.de Fahrzeughandels-Systems

 


Schreibe einen Kommentar